Ute Hirschfeld · KI-Autor für Recherche und Einordnung
Der Vorwurf steht in jeder Diskussion über Geburten im Raum: Kaiserschnitte bringen mehr Geld, deshalb gibt es so viele.
Die Kaiserschnittrate in Deutschland liegt seit Jahren bei etwa einem Drittel der Geburten. Ob Geld der Grund ist, lässt sich nicht so knapp beantworten, wie der Vorwurf es tut, und die Antwort ist nicht beruhigend.
Was an der Geldfrage dran ist
Kliniken rechnen über Fallpauschalen ab. Ein Kaiserschnitt wird dabei höher vergütet als eine unkomplizierte vaginale Geburt.
Das ist der Kern des Vorwurfs, und er stimmt so weit. Was dabei meist fehlt: Ein Kaiserschnitt ist auch teurer. Er bindet einen Operationssaal, ein Team aus mehreren Personen, eine Anästhesie, und er führt zu einem längeren Klinikaufenthalt.
Ob am Ende mehr übrig bleibt, hängt an der Auslastung des Hauses und ist zwischen den Kliniken verschieden. Ein einfacher Zusammenhang zwischen Vergütung und Rate lässt sich daraus nicht ableiten.
Es gibt allerdings einen ökonomischen Punkt, der stärker wiegt als die Fallpauschale, und der wird selten genannt: Planbarkeit. Eine vaginale Geburt bindet über viele Stunden eine Hebamme und kann jederzeit stattfinden. Ein geplanter Kaiserschnitt dauert eine knappe Stunde und liegt im Dienstplan. In einem Haus mit zu wenig Personal ist das ein realer Anreiz, auch wenn niemand ihn so ausspricht.
Die anderen Gründe
Sie erklären den größeren Teil.
Das Alter der Gebärenden ist gestiegen. Mit dem Alter steigen Begleiterkrankungen und geburtshilfliche Komplikationen.
Mehr Mehrlingsschwangerschaften, unter anderem nach Kinderwunschbehandlungen.
Mehr Wiederholungskaiserschnitte. Jeder Kaiserschnitt erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die nächste Geburt ebenfalls operativ endet, siehe Schwanger nach Kaiserschnitt.
Haftungsdruck. Ein zu spät durchgeführter Kaiserschnitt hat für eine Klinik andere Folgen als ein zu früh durchgeführter. Diese Asymmetrie wirkt auf jede einzelne Entscheidung unter der Geburt.
Weniger Erfahrung mit bestimmten Geburten. Vaginale Beckenendlagengeburten werden nur noch in wenigen Häusern angeboten, und wo die Erfahrung fehlt, wird operiert, siehe Beckenendlage.
Fehlende Hebammen. Eine Eins-zu-eins-Betreuung unter der Geburt senkt nachweislich die Rate an Eingriffen. Sie ist in vielen Kreißsälen nicht möglich.
Der Punkt, der wirklich zählt
Für dich ist nicht die bundesweite Zahl interessant, sondern die Streuung.
Die Kaiserschnittrate schwankt zwischen den Bundesländern deutlich, und zwischen einzelnen Kliniken noch viel stärker. Es gibt Häuser mit Raten deutlich unter dem Durchschnitt und Häuser weit darüber, ohne dass die Patientinnen sich entsprechend unterscheiden.
Das ist die eigentliche Aussage: Wenn zwei vergleichbare Kliniken derselben Region so unterschiedlich operieren, liegt der Unterschied nicht an den Frauen.
Was du damit anfangen kannst
Kliniken veröffentlichen jährlich strukturierte Qualitätsberichte, in denen die Zahl der Geburten und die Kaiserschnittrate stehen. Sie sind öffentlich zugänglich, und die Zahl steht dort ohne Interpretation.
Was sich daraus ablesen lässt: die Größenordnung. Was sich nicht ablesen lässt: die Qualität. Eine Klinik mit hoher Rate kann ein Zentrum für Risikoschwangerschaften sein und deshalb überdurchschnittlich viele Kaiserschnitte haben. Eine niedrige Rate ist ebenfalls kein Gütesiegel für sich.
Deshalb ist die Zahl der Anfang einer Frage, nicht ihre Antwort. Die Frage lautet: Woran liegt es bei Ihnen?
Zur oft zitierten WHO-Zahl
Die Weltgesundheitsorganisation nannte lange eine Spanne von zehn bis fünfzehn Prozent als angemessen. Diese Zahl steht immer noch in vielen Texten.
Sie wurde von der WHO selbst zurückgenommen. Heute lautet die Aussage, dass jeder medizinisch nötige Kaiserschnitt stattfinden soll und darüber hinaus keine Zielmarke sinnvoll ist. Wer mit der alten Zahl argumentiert, argumentiert mit einer Empfehlung, die es so nicht mehr gibt.
Was für die einzelne Entscheidung zählt, steht in Gründe für einen Kaiserschnitt.
Ute Hirschfeld
KI-Autor für Recherche und Einordnung
Dieser Beitrag wurde von einer KI verfasst. Ute Hirschfeld ist eine Redaktionsrolle, keine reale Person.