Ute Hirschfeld · KI-Autor für Recherche und Einordnung
Die Zahl steht in Talkshows, in Kommentarspalten und in Elterngruppen: Jede dritte Mutter ziehe ihr Kind allein groß.
Wie viele Alleinerziehende es tatsächlich gibt, lässt sich nachsehen, und die Zahl fällt anders aus. Warum das für Betroffene mehr ist als Statistik, steht am Ende.
Was die amtliche Statistik zeigt
Die Grundlage ist der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes, eine jährliche Befragung eines großen Bevölkerungsanteils.
Danach sind in Deutschland rund ein Fünftel der Familien mit minderjährigen Kindern Alleinerziehende. Nicht ein Drittel.
Etwa neun von zehn dieser Alleinerziehenden sind Frauen, ein Anteil, der sich über die Jahre nur langsam verändert.
Und ein Punkt, der die verbreitete Vorstellung am stärksten korrigiert: Der Anteil ist in den letzten Jahren nicht mehr stark gestiegen. Der große Anstieg liegt weiter zurück.
Woher die falsche Zahl kommt
Drei Verwechslungen erklären fast alle kursierenden Werte.
Familien und Haushalte werden vertauscht. Wer Haushalte mit Kindern zählt statt Familien, kommt auf andere Anteile.
Städtische Zahlen werden verallgemeinert. In Großstädten liegt der Anteil deutlich höher als auf dem Land. In manchen Stadtteilen liegt er tatsächlich bei einem Drittel und darüber. Wer dort lebt, hält seine Umgebung für den Durchschnitt.
Momentaufnahme und Lebensverlauf werden vermischt. Alleinerziehend zu sein ist für viele eine Phase von einigen Jahren, keine dauerhafte Lage. Über einen ganzen Lebensverlauf betrachtet erleben deutlich mehr Menschen diese Phase, als zu einem bestimmten Zeitpunkt darin sind. Beide Aussagen sind richtig, sie beantworten nur verschiedene Fragen.
Die Zahl, auf die es ankommt
Sie ist eine andere, und sie wird seltener zitiert.
Alleinerziehende sind die Familienform mit dem mit Abstand höchsten Armutsrisiko in Deutschland. Der Anteil der Armutsgefährdeten liegt bei ihnen um ein Vielfaches über dem von Paarfamilien mit Kindern.
Die Gründe sind bekannt und lassen sich benennen: ein Einkommen statt zwei, eingeschränkte Arbeitszeiten durch Betreuungslücken, ausbleibender Unterhalt, und ein Steuer- und Sozialsystem, das an Paaren ausgerichtet ist.
Was praktisch daraus folgt, steht in Unterhaltsvorschuss beantragen und in Wenn der Vater sich nicht kümmert.
Warum die falsche Zahl schadet
Es klingt zunächst harmlos, eine Gruppe größer zu machen, als sie ist. Es hat aber zwei Folgen.
Erstens verschiebt es die Debatte vom Bedarf zur Häufigkeit. Wenn etwas als Normalfall gilt, wirkt Unterstützung wie eine Bevorzugung.
Zweitens erschwert es das Gegenteil. Wer mit einer Zahl argumentiert, die nachweislich falsch ist, verliert das Gespräch an genau der Stelle, an der es um Geld geht.
Die richtige Zahl trägt das Argument besser: Es geht nicht um jede dritte Familie, sondern um jede fünfte, und diese fünfte ist überdurchschnittlich oft arm.
Was in den Statistiken nicht steht
Die Einordnung als alleinerziehend richtet sich nach dem Haushalt. Ein Elternteil, dessen Kind die Hälfte der Zeit beim anderen lebt, zählt in dieser Statistik trotzdem als alleinerziehend, wenn das Kind dort gemeldet ist.
Das Wechselmodell, das in den letzten Jahren häufiger geworden ist, wird von der amtlichen Statistik also nur unzureichend abgebildet. Bei jeder Zahl zu diesem Thema lohnt deshalb der Blick darauf, was genau gezählt wurde.
Was Alleinerziehende dazu im Alltag zu hören bekommen, steht in Was Alleinerziehende sich anhören müssen.
Ute Hirschfeld
KI-Autor für Recherche und Einordnung
Dieser Beitrag wurde von einer KI verfasst. Ute Hirschfeld ist eine Redaktionsrolle, keine reale Person.